3 Bücher, 3 Frauen & meine Meinung


Screenshot 2018-01-21 14.37.09.pngGanz vorne steige ich morgens in den Zug, auch wenn es da nicht weniger kuschlig als in den anderen Abschnitten zugeht. Vor ein paar Monaten noch habe ich wie all die anderen auf mein Smartphone gestarrt, Nachrichten gelesen, nach Flügen geschaut oder Soziale Medien gebauchpinselt und damit etwa vierzig Minuten meiner kostbaren Zeit mit wenig Sinnvollem verbracht. Seit einem Monat nutze ich diese Zeit zum Abtauchen. Im Stehen positioniere ich mich, öffne mein Buch und lasse mich aus der unbequemen Realität direkt in die Gechichte ziehen.

So habe ich in den letzten Wochen endlich wieder Zeit zum Lesen gefunden und drei Bücher mit weiblichen Hauptfiguren landeten nacheinander in meiner Tasche.

„Wir sehen uns beim Happy End“ von Charlotte Lucas

Ein Traum von einem Buch und das bevor man es überhaupt geöffnet hat. Auf mich wirkten das Hardcover und der pinkfarbene Buchschnitt wie eine kleine Schatztruhe. Ich konnte mich dem Wunsch, das Geheimnis des Inneren zu entdecken, nicht entziehen und fand mich wenig später bei den Landungsbrücken in Hamburg wieder, im Schatten von Ella.

img_5376Ella ist eine Träumerin, für die nur das Happy End zählt, schließlich hat jeder eins verdient. Auch ihr eigenes Leben sieht sie durch eine rosarote Brille bis ihr Verlobter Philip einen Seitensprung beichtet und die Hochzeit absagt. Sie rennt aus dem Haus und trifft auf Oscar, der noch mehr als sie ein Happy End verdient hat. Und so macht sich Ella an die Arbeit, sein Leben in genau diese Richtung zu lenken.

Eine schöne Geschichte, die leicht und manchmal, vor allem am Anfang, auch ein wenig verrückt wirkt, aber glaubhaft und spannend genug ist, um mich als Leser nicht zu verlieren. Die Protagonistin Ella überzeugt mit ihrem inneren Wunsch nach einem guten Ende, der sie veranlasst, Dinge zu tun, die für sie wichtig, aber für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind.

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„Tannenzwei“ von Christine Korte

Mit dem Debüt von Christine Korte, erschienen im Herbst 2017 im Geest Verlag, freute ich mich auf einen Roman über das Leben, Krisen und Weihnachten.

img_5417Sabine, Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern, reist an die Nordsee, um sich zu sammeln, nachdem ihr Leben aus den gewohnten Fugen geraten war. Dort trifft sie auch auf Jochen, ein Studienkollege, mit dem sie lediglich durch Weihnachtsrundbriefe in Kontakt geblieben war. Auch sein Leben entwickelte sich anders als geplant.

Familienglück, Kindererziehung, Schulalltag, Trennungen, Loslassen, Akzeptieren und Poesie in weihnachtlich getauchten Jahresberichten gespickt mit salziger Nordseeluft und einem Schuss Erregung; ich habe Tannenzwei gern gelesen. Dabei wirkte die Protagonistin Sabine auf mich selbstsicher und verwurzelt in ihren Überzeugungen, auch wenn sie diese zuweilen hinterfragt.

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Die Päpstin von Mailand von Christine Neumeyer

Die Geschichte der Vilemiten ist ein historischer Roman, der mich zurück bis ins 13. Jahrhundert nahm.

img_5579Vilemina zieht mit ihrer freigeistigen Lehren Menschen aus allen Schichten in ihren Bann. Am Sterbebett bestimmt sie Mayfreda als ihre Nachfolgerin. Die Nonne, die ursprünglich aus einem einflussreichen Haus in Mailand stammt, erkennt die Gefahren, die die Anbetung der nun für die Ordensanhänger heiligen Vilemina nach sich ziehen, kann aber die beginnende Inquisition nicht aufhalten.

Ein spannender historischer Roman über das aufstrebende Mailand, die Ketzerverfolgung und die Hoffnung, dass der Glaube siegen wird. Die Protagonistin Mayfreda empfindet die auferlegte Aufgabe zunächst als Last. In ihrer Verantwortung liegt die Führung, aber auch die Sicherheit der Vilemiten. Ihre Stärke zieht sie aus der Liebe für den Orden und für die Menschen, die ihr nahe stehen.

Ich frage mich, ob Bücher genauso wie Situation immer dann zu uns kommen, wenn wir etwas zu begreifen haben oder ist es reiner Zufall, dass ich gerade diese drei Bücher gelesen habe.

Auch ich liebe Happy Ends wie Ella und habe mich schon oft gefragt, wer eigentlich Dramas braucht. Gibt es nicht schon genug Schreckliches auf der Welt? Jeder Mensch hat eine ganz eigene Vergangenheit, die sich subjektiv durch Gedanken und Gefühle in der Erinnerung festgelegt hat. Vielleicht sind gerade diejenigen mit einer schwierigen Kindheit eher auf der Suche nach einem positiven Ausgang als andere mit einer unbeschwerten Zeit des Aufwachsens. So sind unglückliche Enden durchaus interessant, aber eben nicht für mich.

Ich liebe Weihnachten und Familie war mir immer wichtig. Lange Zeit habe ich mich wie ein Versager gefühlt, weil ich dem traditionellen Lebensbild nicht entspreche. Mit einem ähnlichen Problem zum Familienbild kämpft auch Sabine aus Tannenzwei. Doch bin ich zu dem Schluss gekommen, dass meine Familie vielmehr ist als der Abklatsch eines Idealbildes. Es sind die Menschen, die mir etwas bedeuten und solange wir uns gegenseitig akzeptieren und respektieren, wozu brauchen wir das traditionelle Familienbild?

Und das bringt mich zu Mayfreda, die an Stärke gewinnt, als sie sich ihrer Bestimmung besinnt und sie bedingungslos annimmt. Zu keiner Zeit ist sie auf sich gestellt. Dankbar  nimmt sie die Hilfe ihrer Anhänger und Freunde an. Auch ich möchte in manchen Momenten am liebsten alles hinschmeißen, den Rucksack packen und nochmals in die Welt hinausziehen. Doch eine Last ist immer nur zu schwer, wenn niemand da ist, der sie mit dir teilt. In meinen Leben gibt es viele Freunde und liebe Kollegen, die mich gern unterstützen. Dazu kommt, dass man sich heutzutage nicht vor einem Inquisitionsgericht fürchten muss.

In diesem Sinne bin ich gespannt auf die nächsten Bücher, die mich in den Bann ziehen.

Sandy Seeber

Januar 2018

PS: „Aus der Sicht der Dinge – Eine ungewöhnliche Freundschaft“ – der Roman für Kinder und Erwachsene von Sandy Seeber. Hier bekommst du deine Leseprobe.

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