„Warum der stille Salvatore eine Rede hielt“ von Michael Wäser


Lesezeit:  ca. 5 Minuten

Warum gerade dieses Buch

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Foto: Sandy Seeber, 2015 – Link zu Amazon.de*

Vor einigen Wochen erhielt ich eine Email von Michael Wäser mit der Rezensionsanfrage für ‚Salvatore‘, meine erste im übrigen. Normalerweise frage ich nach Rezensionen für meinen Roman „Aus der Sicht der Dinge“ und bislang wollte ich nur über die Bücher schreiben, die ich mir ausgesucht und für würdig befunden hatte. Gut mit würdig meine ich vor allem, dass sie mich erreicht haben und dass ich gern noch ein wenig Zeit damit verbringe, über sie zu schreiben.

Möglicherweise weil es die erste dieser Art Anfragen war oder vielleicht, weil ich neugierig auf den Roman war, dessen Entwurf bereits ein Stipendium von 16.000 Euro wert war, und obwohl ich mich zugegebenermaßen wunderte, warum nach der Insolvenz des Müncher Verlags von Michael Wäser, sich nun kein anderer fand, das Ergebnis des preisgekrönten Entwurfs zu veröffentlichen, sagte ich zu. Denn was hatte ich zu verlieren? Ein paar Stunden mit einem Roman, in dem ich wahrscheinlich zumindest einen Zeitvertreib finden würde.

Wenige Tage später hielt ich das Buch in der Hand und nachdem ich Grenzverletzungen von T.A. Wegberg fertig gelesen und hier kommentiert hatte, schlug ich es auf und lernte Salvatore auf eine eher ungewöhnliche Weise kennen.

„Ich wünsche Ihnen spannende, anregende und herausfordernde Stunden mit meinem Roman. Herzlichen Dank, M. Wäser“ 

Über den Inhalt:

Salvatore, der vor Beginn der Geschichte zurückgezogen lebte, dabei seiner täglichen Routine nachging und selbst keinen Anlass sah, das jemals zu ändern, sieht sich nach einem Unfall mit einem verwesenden Pottwal, der selbst für die Bewohner des kriegsgeschundenen Bovniks durchaus ungewöhnlich war, nun im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Versuche der ständig folgenden Presse zu entkommen enden für ihn im zugemüllten Stadtteich, in dem er sich im Taucheranzug und mit Schnorchel stundenlang unter Wasser aufhält, vor allem weil ihm hierher niemand zu folgen wagte. Dort begegnet er auch Vera, eine sensible Widerstandskämpferin, die sich seit ihrer ersten Aktion für den Widerstand unsicher fühlt und bei Salvatore den Frieden spürt, den sie weder bei ihrer Familie, bei den Mitgliedern im Widerstand noch bei sich selbst zu finden vermag.

Während die beiden in ihrer Welt den trostlosen Aussichten der Realität zu entschwinden versuchen, sorgen sich die Kriegsparteien, die den Konflikt längst als Geschäft erkannt haben, um ihre Profite, vor allem weil sich die Bevölkerung mehr für Salvatore interessiert als für das aktuelle Kriegsgeschehen. Sie hecken einen Plan aus, der die alte Ordnung wieder herstellen soll. Doch auch die Widerstandsbewegung mischt sich ein und der Zufall, wenn man so will.

Mein Fazit: ***** Ein anspruchsvoller Roman, der es verdient, gelesen zu werden!

Michael Wäser hat einen anspruchsvollen Roman geschrieben, der es verdient, gelesen zu werden. Er greift mit „Warum der stille Salvatore eine Rede hielt“ oder kurz mit „Salvatore“ Themen unserer Gesellschaft auf, die längst überfällig erscheinen. So sei es die Liebe und hier besonders das Vertrauen, das Salvatore und Vera den Frieden schenkt, den sie nur miteinander erfahren können. Oder aber die Kälte einer Gesellschaft, die abgestumpft sich an alles gewöhnt hat, selbst an die denkbar grausamsten Erlebnisse, solange sie es nicht selbst trifft. So schwellen die Konflikte weiter von denen nicht Wenige profitieren und selbst wenn sie es noch nicht tun, dann um sie zu schüren, damit daraus ein profitables Geschäft werden kann. Aufgegriffen wird auch der Glauben, dessen Anhänger genauso blind einen charismatischen Manipulatoren folgen wie sich andere vom eigenen Versagen abzulenken versuchen. Und genau zwischen diesen Themen einer absurden Gesellschaft findet das Leben statt, das immer noch lachen kann, das immer noch Hoffnung hat und das manchmal auch ein Stück unbeschwerte Zukunft verspricht, an die man sich, selbst wenn nur für einen winzigen Moment, klammern kann.

Michael Wäser hat zu Recht ein Stipendium erhalten und er hat zu Recht diesen Roman in die Öffentlichkeit geboren. Vor allem anspruchsvolle Leser werden diesen Roman nicht zuletzt auch wegen seiner sprachlichen Qualität zu schätzen wissen.

„Der kleine Hafen, in dem jetzt wieder Fischerboote und sogar ein paar Segeljachten reicher Ausländer ankerten, erschien ihnen wie mit Silberpuder bestäubt und das Meer, auf dem sogar die Patrouillenboote der Bovniker Marine friedlich und schön aussahen in diesem Moment, das Meer war nicht fern, es war nicht einmal nur dort unter ihnen, es war in ihnen, es war in Salvatore und es war auch in Vera, und nie hatte Vera das Meer in sich gespürt. ‚Steck deinen Finger ins Meer und du bist mit der ganzen Welt verbunden‘, dieses alte Sprichwort kannte Vera, aber das hier, das ging weit darüber hinaus. Vera brauchte das Wasser nicht einmal zu berühren.“ („Warum der stille Salvatore eine Rede hielt“, Seite 118)

Screenshot 2015-10-25 13.34.12Ich danke Michael Wäser, das er mir sein Buch für eine Rezension geschickt. Es hat mich anfänglich herausgefordert, mich dann mitgenommen in diese Welt von Salvatore, die mir nicht so weit entfernt von unserer erschien. Gern habe ich mir nun die Zeit genommen, über diesen wertvollen Roman zu schreiben und ich wünsche mir, dass ihn viele lesen werden. Vor allem würde mich interessieren, was brasch & buch oder Stefan Mesch zu diesem Roman sagen. Doch es gibt sicher noch viele andere, die sich von der Qualität des Buches überzeugen wollen. Für mehr Informationen geht es hier zum Blog von Michael Wäser.

Mehr zum Roman gibt es auch in der 1. Ausgabe „der Selfpublischer“ vom Uschtrin Verlag.

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Bis bald, Ihre  Sandy Seeber

© Sandy Seeber, Oktober 2015

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