Erkenntnisse


Ausgegraben: 2004

Ich erinnere mich an dieses Wochenende als ich bei einem Lyrikseminar der Gedichtebibliothek teilnahm und der Dozent behauptete, dass Gedichte nicht aus Gefühlen bestehen, sondern aus Wörtern. Vielleicht gebe ich ihm heute recht. Damals schrieb ich über meine ganz eigenen Erkenntnisse.

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Erkenntnisse

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Foto: Sandy Seeber, 2015

Gefunden im Nichts,

was morgen erst verloren.

Sehnsucht im Sein,

die gestern schon erfüllte.

Wissen in der Zukunft,

die vor Jahren begann.

Erkenntnisse im Jetzt,

die gestern noch verwirrten

und morgen schon verändert sind.

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© Sandy Seeber, 2004

Ich freue mich auf Ihr ‘Gefällt mir’, Ihre Kommentare und bin darüber hinaus auch dankbar für das Teilen meiner Beiträge.

Bis bald,

Ihre  Sandy Seeber

September 2015

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25 Kommentare

  1. Das kann ich gar nicht teilen….jede Art von Gefühl wird in Buchstaben/Worte verpackt….ein Wort zu schreiben, hat noch nichts mit einem Satz zu tun….einen Satz zu schreiben, nichts mit einem Gedicht! Erst das Gefühl der Sprache in den eigenen Bildern macht ein Gedicht aus ;-)!
    Liebe Grüße Karin

    Gefällt 5 Personen

    • Ich habe damals völlig verstört reagiert, ganz als hätte man mir gerade erklärt, dass Wasser nicht nass wäre. Viel schlimmer, ich habe mich persönlich angeriffen gefühlt und bin tatsächlich nur im Seminar geblieben, weil ich daür bezahlt hatte.
      Heute schaue ich auf ein Gedicht ein wenig distanzierter und es besteht tatsächlich aus Wörtern, die in ihrer Kombination eine Stimmung wiedergeben genauso wie der Maler mit dem Pinzel Bilder durch Farben entstehen lassen kann oder der Musiker bestimmte Noten zu einer Melodie kombiniert.
      Ohne das Gefühl würde niemand der Musik lauschen, die Bilder würden wahrscheinlich unbeachtet bleiben und zu Kunstwerken würde man Gedichte wohl kaum zählen. Und als Kunstwerk betrachte ich Lyrik, da sie es ganz allein mit Wörtern in ihrer kunstvollen Zusammensetzung schafft, ein rhythmisches Stimmungsbild in den Köpfen der Menschen zu zaubern.
      Doch der Dichter braucht das Gefühl, mit dem er die Wörter zu seinen Kunstwerken zusammensetzt und hier bin ich mir sicher, nur mit emotionaler Tiefe werden die Poeten die Menschen erreichen können.

      Gefällt 4 Personen

      • Pinzel.

        Die Weichheit des Gefühlten,
        mit samtweicher Woge voll Wärme…
        Den Splitter des Verletzten,
        mit stahlhartem Ziehen, ganz präzis…
        Doch Deine Glaswand versteht mich nicht;
        oder ist es meine?…
        Und Tränenfeuchtgkeit gefriert auf der einen
        und zieht traurige Bahnen auf der anderen Seite des Spiegels.
        Bin ich Du; oder bist Du ich?
        Wie kann man das umarmen?

        Das fiel mir spontan zu „Pinzel“ ein.

        Herzlichst, F.

        Gefällt 2 Personen

    • Wenn Aussagen mich verstören und das hat die Aussage des Dozenten tatsächlich, versuche ich herauszufinden, warum ich so emotional reagiere. Damals hatte ich es allerdings nicht für mich klären können. Erst als ich diesen Beitrag verfasste, fiel mir der Dozent wieder ein und damit meine damalige Empörung. Vielleicht hatte er recht, Gedichte bestehen aus Wörtern und der Dichter hat mit ihnen gespielt wie der Kombonist mit den Noten aus einem tiefen Gefühl heraus. Vielleicht hatte er auch unrecht und Gedichte bestehen aus Gefühlen, die nach Verständnis suchen und sich nur in einer ganz bestimmten Kombination von Wörtern endlich auszudrücken vermögen.
      Vielleicht… .

      Gefällt 2 Personen

  2. Da muss ich doch gleich meinen Senf dazugeben.
    Texte, insbes. Gedichte, bestehen keinesfalls nur aus Wörtern, denn diese Wörter – optisch, akustisch.. wie auch immer zum Ausdruck gebracht – vermitteln uns vom Schreiber empfundene Gefühle. Die Wörter sind sozusagen nur `Mittel zum Zweck´. Man kann ja z. B. auch nicht sagen, dass das Fernsehen nur aus Bildpunkten besteht. Wieso lässt du dich von einem Dozenten so hinter`s Licht führen..?.. `bullshit´.. (sorry).
    Ich weiß nicht, ob du meine Meinung verstehen kannst… bei Kritik melde dich doch nochmal!!
    Ich habe mal einen Spruch kreiert:
    `Texte treffen nur, wenn sie auch gefühlt werden können´, was meinst du?
    Lieben Gruß und erholsamen Tag noch
    PJP

    Gefällt 4 Personen

    • Immer her mit dem Senf 🙂
      Grundsätzlich bestehen Gedichte aus Wörtern, so ganz platt betrachtet und doch sind Gedichte nur dann Gedichte, wenn sie Gefühle und Stimmungsbilder übertragen können. Ohne Gefühle gäbe es keine Gedichte und ohne Wörter auch nicht.
      Dein Spruch ist Klasse und bezogen auf die Aussage des Dozenten: Der Text hat getroffen. Vielleicht war das genau das, was er uns damit sagen wollte. 😉
      LG Sandy

      Gefällt mir

  3. Liebe Sandy,
    da muss ich Sugar4all, Sanguine und Pete allerdings recht geben. Meiner Meinung nach sind Gedichte, die nur aus Worten, nicht aber aus Gefühlen bestehen, hölzern und hohl… Weshalb sollte man solche Gedichte überhaupt verfassen? Seltsam, was dieser Dozent da zum Besten gab…
    Liebe Grüße, Hannah

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Hannah,
      ich sehe das ganz genauso, ohne Gefühle gäbe es keine Gedichte und doch sind die Wörter mindestens genauso wichtig. Während ich gerade die vierte Antwort auf die Beitragskommentare schreibe, glaube ich fast, dass der Dozent uns damit zeigen wollte, wie stark Wörter in bestimmten Kombination andere treffen können und das man genau das nutzen kann, um seiner Poesie die Ausdrucksstärke zu verschaffen, die es braucht, um andere damit zu erreichen.
      Liebe Grüße, Sandy

      Gefällt 1 Person

  4. So, dann übernehme ich mal den Gegen-Part: Ich denke, der Dozent hat recht: Ein Gedicht besteht nicht aus Gefühlen, sondern aus Wörtern. Ich würde weitergehen: Ein Gedicht ist ein Wortkunstwerk. Der unmittelbare Ausdruck eines Gefühls ist in der Tat nicht mehr als ein unmittelbarer Ausdruck eines Gefühls – und eben noch kein Gedicht. Erst wenn du für ein Gefühl, einen Gedanken, eine Beobachtung oder was auch immer das richtige Wort findest, dann kann daraus ein Gedicht werden – wenn ein Wort zum andern kommt, wenn ein Wort das andere gibt und wenn sich diese Wörter zu einem Wortkunstwerk verweben. Aber es muss natürlich mehr sein als nur eine Reihe von Wörtern…

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, das stimmt natürlich! Selbstverständlich ist ein Gedicht mehr als eine Reihe von Worten oder Wörtern… !
      Und im besten Falle stellt ein Gedicht ein Wortkunstwerk dar. Allerdings kann meines Erachtens solch ein Kunstwerk nicht entstehen, ohne daß Gedanken und vor allen Dingen Gefühle im Spiel wären…
      Vielleicht gibt es hier also überhaupt keinen Widerspruch, jedenfalls nicht, wenn man das Gedicht so definiert wie Du (und dieser Definition kann ich ohne weiteres zustimmen).

      Gefällt 1 Person

  5. Alle meine GEFÜHLE verarbeite ich gerade mit und durch Gedichte. Es ist mir unmöglich, ein Gedicht ohne Gefühle zu verfassen! Ich schreibe auch nur Gedichte, wenn ich in der Stimmung oder in den Gefühlen dazu bin. Ich für mich kann das nicht bestätigen, dass es nur Worte sind…..

    Gefällt 1 Person

  6. Zuerst habe ich auch gedacht, dass die Aussage ein „Schmarrn“ ist, Aber nach den AUsführungen hier denke ich, es verhält sich mit Worten ähnlich wie mit Farben oder anderen „Hilfsmitteln“.
    Ein gefühlloses „Hinklatschen“ der zur Verfügung stehenden Mittel führt selten dazu, dass die Emotionen geweckt werden. Deshalb gibt es Lyrik, die anspricht, die Bilder in einem weckt, Gefühle anspricht, und andere, die einfach an einem „vorbei“ geht.
    Ich kann die gleichen Wörter für eine Bedienungsanleitung nutzen oder für ein Gedicht, eine Geschichte. Beides mal die gleichen Worte, aber einmal mit Gefühl und einmal ohne.

    Gefällt 1 Person

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