Leipziger BuchMesse 2015 – Die Fortsetzung


Ein paar Tage gewartet, Eindrücke verinnerlicht und nun kann und will ich auch mit Ihnen meinen zweiten Tag bei der Leipziger Buchmesse näher beleuchten.

Bilder: Screenshot von Webiste der Leipziger Autorenrunde
Bilder: Screenshot von Bildern der Leipziger Autorenrunde – Facebook Leander Wattig (Organisator)

Als ich am vergangenem Samstag morgen beschwingt mit Osito aus dem Zug stieg und im leichten Nieselregen auf die Messe zusteuerte, fühlte ich bereits ein Stück Erfahrung mit uns schwingen. Ganz anders als am Tag zuvor, an dem ich ohne jegliche Orientierung den anderen Besuchern brav in die Hallen folgte, steuerte ich dieses mal wissend auf den Eingang für Fachbesucher zu. Heute löste ein straffer Plan das ziellose Umherirren, das Aufsaugen von tausenden neuen Eindrücken sowie das Verschwinden in einer einheitlichen Besuchermasse ab. Dieser Buchmesse Samstag versprach Chancen in der Leipziger Autorenrunde von und mit anderen Autoren zu lernen, mich und das Hörbuch zu “Aus der Sicht der Dinge” in einem Interview mit BuchFans.com zu präsentieren und natürlich lieb gewonnene Freunde und Kollegen zu treffen.

Und nach dieser Anmoderation dürfen sich meine Eindrücke mit einem anschließenden Fazit zum Besuch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse endlich mit einem Applaus auf die Blogbühne begeben und sich Ihnen nun voller Leidenschaft präsentieren.

Die Leipziger Autorenrunde bestand aus nahezu 200 Teilnehmern. Autoren, die mit Experten in Tischrunden unterschiedlichste Themen abhandeln. Themen, für die sich Autoren interessieren, an denen angehende Schriftsteller möglicherweise immer mal wieder scheitern und auch Themen, die durchaus auch neue Türen für die Vermarktung öffnen können. Die Entscheidung für die Auswahl der sechs möglichen Tischrunden fiel mir leichter als ich befürchtet hatte und so lauschte ich mit Kollegen pünktlich um 10:30 Uhr dem ersten Referenten.

Das Thema: “Arbeit an der Sprache. Kitsch, Metapher, Rhytmus – wie Sie Sprache in der Prosa richtig einsetzen”

Referent: André Hille, Inhaber der Autorenschule Textmanufaktur und Gründer der Hille & Jung Literatur- und Medienagentur

André Hille verführte mich buchstäblich in die Kunst der Sprache. Aufmerksam sog ich die Unterschiede zwischen Genre und Literatur in mich auf. Folgende Aussage, die ich hier nur sinngemäß wiedergeben kann, lässt sich auch nach mehr als drei Tagen nicht in den Hintergrund verdrängen: In der Literatur erfolgt das Welt entdecken durch die Sprache. Im Genre hingegen durch die Figuren.

Aber auch die Thematik der Geschwindigkeit, mit der sich ein Textfluss durch die beschriebenen Bilder bewegt, erinnerte mich an geniale Musikkompositionen, die allein durch ein unterschiedliches Tempo von Tönen tief berühren können. Die Sprache als rhythmische Komposition – ein harmonischer Gedanke, der auch jetzt noch eine unendliche Glückseligkeit in mir hervorruft.

Nach 45 Minuten wanderte ich zum nächsten Tisch und landete bei diesem Thema:

“Einen Verlag mit einem guten Exposé überzeugen”

Referentin: Maria Koettnitz, Geschäftsführerin der Akademie für Autoren; davor Verlagsleiterin (Harenberg, Droemer Knaur, Kindler, reclam Leipzig, Ullstein, Patmos, Sauerländer, Artemis&Winkler)

Formtreu, klar und auf den Punkt gebracht – so sollte ein Exposé aussehen. Neben Hinweisen auf das Format an sich, verfing ich mich in dem Gedanken, dass ein Exposé mehr als eine Manuskriptwerbung für einen Verlag sein kann. Ob Frau Koettnitz es nun sagte oder ich eine Erkenntnis aus ihren Aussagen strickte, wird wohl für immer für mich verborgen bleiben. Dennoch gefiel mir die Idee, dass ein zehnzeiliger Kurztext nicht nur den Roman auf den Punkt bringt, sondern auch für die eigene Klarheit sorgen kann.

Mittagspause

Bild: BuchFans.com
Bild: BuchFans.com

Pünktlich zur Mittagspause rannte ich in Richtung Halle 3. Dort wartete Svenja von BuchFans.com und Max mit seiner Kamera bereits auf mich. Nach einer kurzen Vorbesprechung beantwortete ich mit Osito in der Hand die neugierigen Fragen von BuchFans.com. Hier gibt es das vollständige kurze Interview mit Bild und Ton.

Da ich mich nun schon mal am richtigen Ort befand, traf ich gleich auch noch meine Freunde und Autorenkollegen. So begrüßte ich herzlich Valerie le Fiery, Vincent Schlecht, Kat Hönow, Frank Böhm und Lena Paul. Nach einem gemeinsamen Foto rief mich die Leipziger Autorenrunde zurück. Also drängte ich mich durch die zähe Menschenmasse zu Leander Wattings Veranstaltungsort und erreichte mit ein paar Minuten Verspätung die nächste Tischrunde.

Bild: BuchFans.com
Bild: BuchFans.com

“Autoren, Fans und das Feuilleton: Bücher empfehlen, bewerben und kritisieren”

Referent: Stefan Mesch, Autor, Kritiker und Kulturjournalist; er schreibt u.a. Für die ZEIT, den Berliner Tagesspiegel und literaturkritik.de

Vor allem mit Buchblogger habe ich schon einige Erfahrungen gemacht. Die Aussicht jedoch einem echtem Kritiker zu begegnen ließ mich meine Ohren für die nächsten 40 Minuten spitzen. So lernte ich, dass die Anfrage einer Presseabteilung des Verlags viel seriöser erscheint als die des Autors selbst. Auch die Einordnung in ein Genre und der Hinweis auf ein ähnliches, jedoch bekanntes Werk kann durchaus hilfreich sein, wenn man sich als noch unbekannter Autor für eine Rezension bewirbt. Stefan Mesch zum Beispiel ist durchaus bereit, sich interessanten Büchern von noch unbekannten Autoren zu widmen. Bevor er die Entscheidung fällt, nimmt sich der Kritiker die Zeit, um auf LovelyBooks, Amazon und Goodreads nach den vorhandenen Rezensionen zu schauen.

Wieder fehlt mir die Zeit, mich noch etwas mit den Kollegen am Tisch zu unterhalten, denn die nächste Runde ruft. Und auf die Referentin habe ich mich schon gefreut.

“Autorenrunden-Schreibcoaching: Figurenentwicklung für Fortgeschrittene”

Referentin: Astrid Rösel, Autorin, Lektorin und Schreibtrainerin

Gerade in den letzten Wochen bereitete mir mein derzeitiges Projekt ein paar Kopfschmerzen. Als ich mich im Internet nach einem SchreibCoach umschaute, stolperte ich über die Website von Astrid Rösel. Nur ein paar Tage später taucht ihr Name auf der Referentenliste der Autorenrunde auf und schon sitze ich neben der Trainerin und lauschte aufmerksam ihren und den Antworten meiner Kollegen. In der Figurenentwicklung, zumindest lernte ich das in dieser Runde, gibt es eine Vielzahl von Techniken. So schreibt einer der Teilnehmer fast einen ganzen Roman als Bio des Protagonisten, während andere die viel zu anhängliche Hauptfigur eines vorherigen Romans durchaus sterben lassen oder alternativ sogar in den neuen Roman als Nebenfigur einarbeiten würden. Der Tipp von der Schreibtrainerin, in die Figur Potenzial zu integrieren, blieb mir besonders in Erinnerung, genauso wie das Schreibcoaching, dass ich durchaus in Erwägung ziehe.

Nach einer kurzen Kaffeepause und interessanten Gesprächen mit Kollegen, deren Namen ich zum wiederholten Male vergaß zu notieren, startete die nächste Tischrunde.

“Übersetzen ins Englische als Literaturvermittlung”

Referentin: Isabel Cole, freie Autorin und Übersetzerin

Wenn der eigene Partner deutsch nur als Kauderwelsch versteht und dazu noch viele Freunde und Kollegen sehnsüchtig auf eine englische Übersetzung des eigenen Romans warten, macht es Sinn, sich über die Möglichkeiten zu informieren. Diese Runde schien deshalb perfekt für mögliche Impulse. Schnell lernte ich hier, dass die Statistiken von einer selbst finanzierten Übersetzung abraten. Die winzige Prozentzahl der deutschen Romanübersetzungen in den englischsprachigen Raum verkümmerte in meinem Kurzzeitgedächtnis noch lange bevor ich sie in eine Erinnerungsschublade stecken konnte. Dennoch erzeugte die Drei-Kapitel-Probeübersetzung  einen Funken Hoffnung. Denn ein Verlag ist wohl schon dazu bereit, die Übersetzungskosten bei Interesse für ein ganzes Werk zu übernehmen. Vielleicht ergibt sich hier ja einen Vorteil, wenn schon der Verlag für das deutschsprachige Buch in New York ansässig ist. Die Ideen keimen langsam und wer weiß, vielleicht hat Isabe Cole mir hier genau den richtigen Impuls gegeben.

Die letzte Tischrunde der Leipziger Autorenrunde führte mich zu folgendem Thema:

“Werkstattgespräch für Fortgeschrittene: Geschichten plotten und die richtige Erzählform bedenken. Ein Austausch über Wege, Werkzeuge, Probleme und Lösungen.”

Referentin: Anke Gasch, freie Autorin, Lektorin (ADB) und Chefredakteurin der Federwelt. Sie betreut die “Impulsbar” und die “Textküche mit Gasch & Co.”, in der Schreibprofis Texte kommentieren, die noch nicht ganz rund sind.

Die Energie von Anke Gasch überraschte mich. Voller Leidenschaft und in Bildern, die ich wohl so schnell nicht vergessen werde, nahm die Chefredakteurin von Federwelt die Anwesenden auf eine gemeinsame Reise in das Abenteuer Schreiben. So blieben ‘Leseinseln’ in meinem Kopf, genauso wie die Aussage, dass sich Ziele der Protagonisten durchaus ändern dürfen und ein Hinweis auf die Textküche zu Szenenübergangen. So gerne hätte ich der Frau Gasch weiter gelauscht, als Leander Wattig das Ende einläutete.

Das Ende

Für mich bedeutete das auch das Ende der diesjährigen Buchmesse. Meine Mitfahrgelegenheit – der Freundeskreis der Stadtbibliothek Heinrich Heine Gotha e.V. – wartete bereits und bevor ich mich wirklich verabschieden konnte, saß ich im Bus zurück in meine alte Heimat.

Das Schreiben dieses Beitrags verursachte bei mir beinahe Traurigkeit darüber, dass ich mich mit so vielen interessanten Menschen ausgetauscht habe und es dennoch versäumt habe, einen Namen zu erhaschen oder ein Buchtitel zu notieren.  Zur Autorenrunde im nächsten Jahr werde ich das ganz sicher nicht versäumen.

Von der diesjährigen BuchMesse in Leipzig habe ich vieles mitgenommen. Doch ich habe auch etwas dort gelassen und so bin ich im nächsten Jahr ein Wiederholungstäter, der sich vielleicht vage an die Jungfräulichkeit erinnert, mit der ich meine erste BuchMesse überhaupt in 2015 besuchte. Eines steht jedoch fest, die BuchMesse wird garantiert zu einem festen Bestandteil meiner Jahresplanung.

AusDerSichtDerDinge_3D

Noch bis 31.03.2015 teilnehmen!
Noch bis 31.03.2015 teilnehmen!

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Hier gibt es meine ersten Eindrücke: Leipziger BuchMesse 2015 – Eindrücke kurz zusammengefasst 

(c)Sandy Seeber, 19. März 2015

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